Hin und wieder überkommt es die Bundesregierung und sie kündigt an, die Steuern absenken zu wollen. Ein begrüßenswertes Ansinnen, dem jedoch so gut wie nie Taten folgen. Nicht begrüßenswert ist das Wort „absenken“. Warum eigentlich „ab“? Ist das im Gegensatz zu „auf“, also „aufsenken“ gedacht? Sicher nicht. Denn das wäre Schwachsinn. Was soll’s also? Die Antwort ist einfach. Es soll gar nichts. Diese höchst überflüssige Vorsilbe ist sprachlicher Ballast, der die Aussage nur gewichtiger erscheinen lassen soll, als sie in Wirklichkeit ist. Denn würde unsere Regierung die Steuern einfach nur senken (statt absenken), dann wäre jedem geholfen. Nur: Dazu kommt es nicht. Dennoch hat die lästige Vorsilbe Hochkonjunktur. Deshalb werden Autos abgebremst (wobei es reichen würde, zu bremsen). Deshalb werden die Folgen eines Einschnittes abgemildert (diese Folgen einfach zu mildern täte es auch, denn aufmildern kommt ja wohl nicht in Frage). Deshalb wird die Wiese abgemäht. Wobei es durchaus reichte, sie einfach nur zu mähen. Und deshalb gibt es Abgeordnete. Halt! Einspruch! Hier hat das „ab“ natürlich seine Berechtigung. Schließlich wollen wir uns doch nicht vom Wesentlichen ABlenken lassen – oder?