Unsere Verben, vulgo Tun-Wörter, lassen sich viel gefallen. Wir dürfen sie im Indikativ verwenden, den wir zur Darstellung der Wirklichkeit verwenden (vom Lateinischen modus indivicatus, also „der zur Anzeige geeignete Modus“): „Ich sitze.“ Wir dürfen sie zum Imperativ verbiegen, also zur Befehlsform wie bei „Sitz!“ Und wir können uns – Vorsicht Glatteis – an der Möglichkeitsform versuchen, also am Konjunktiv.

Warum warne ich vor der Glatteisgefahr?

Weil es nicht nur einen Konjunktiv gibt, sondern deren mehrere. Und genau in diesem Nebeneinander verbergen sich die Fallstricke.

Ein Beispiel: „Paul sagte, er wäre ehrlich.“ Was fange ich mit diesem Satz an? Bei Licht betrachtet gar nichts. Denn dieser Satz könnte so nicht stehen bleiben. Denn hier wird mit „wäre“ der Konjunktiv II verwendet, der aus gutem Grund auch Irrealis heißt. Will heißen: Dieser Konjunktiv ist dann angesagt, wenn eine bestimmte Folge höchst unwahrscheinlich oder aber an eine Bedingung geknüpft ist. Also etwa: „Paul sagte, er wäre ehrlich, wenn ihn das nicht so viel Geld kosten würde.“ Bei „er wäre“ muss also immer ein „wenn“ folgen.

Der Konjunktiv II wie mit „wäre“ ist auch dann richtig, wenn etwas Unmögliches ausgedrückt werden soll. Sie erinnern sich: Irrealis. Also wie in dem Satz: „Ich habe so viel gegessen, dass ich fast geplatzt wäre.“ Natürlich platze ich nicht, aber das Bild ist sehr anschaulich.

Es gibt aber noch zwei weitere Konjunktiv-II-Nischen. Die des Zögerns und Zweifelns (Beispielsatz: „Wäre so etwas machbar?“) und jene der Höflichkeit (wie in „Könnten Sie mir das mitbringen?“). Wer es gern einfacher haben möchte, kann den Konjunktiv II immer auch durch „würde“ ersetzen: „Würden Sie mir das mitbringen?“

Springen wir zurück zu unserem ersten Beispiel „Paul sagte, er wäre ehrlich“. Oft soll ja nur die indirekte Rede ausgedrückt werden – und nicht die Unmöglichkeit oder die Verknüpfung mit einer Bedingung. Doch dann muss der Konjunktiv I, also der Konjunktiv der indirekten Rede, verwendet werden. Es müsste dann also heißen: „Paul sagte, er sei ehrlich.“

Ach so, da wäre noch die Form „häbe“ zu klären. Hier handelt es sich um eine regionale Spezialität: den schwäbischen Konjunktiv.