Auf das „sich“ kommt es an. Denn wenn es um Erinnerungen geht, erinnert SICH immer irgendjemand AN etwas. Konkret: Ich kann mich durchaus an meinen Winterurlaub erinnern. Aber ich kann nicht DEN Winterurlaub erinnern. Es sei denn, ich bediene mich der norddeutschen Sprechweise. Weshalb es auch schon mal passieren kann, dass sich in der ansonsten gut gemachten Wochenzeitung DIE ZEIT in einer Überschrift die Unterzeile findet: „Warum wir den Beginn des Zweiten Weltkriegs … so falsch erinnern“ – was natürlich gar nicht geht.

Aber die Norddeutschen, die so stolz auf ihr vermeintliches Beherrschen der Schriftsprache sind, scheuen ja auch nicht vor Sätzen zurück wie „Ich bin angefangen!“. Um dann sogleich Kübel des Spotts auszuschütten, wenn ein Schwabe DER statt DIE Butter sagt. Oder DER Schok’lad statt DIE Schokolade.

Dann fällt es wohl auch kaum mehr auf, wenn DIE ZEIT „Homepage“ schreibt, aber „Website“ meint. Denn nur die Website umfasst alle Seiten eines Internet-Auftritts. Die Homepage hingegen ist nur, bildlich gesprochen, die Eingangstür zur Website.

Aber vielleicht bin ich mit meiner Mäkelei zu pingelig. Andererseits geht es nun wirklich zu weit, wenn DIE ZEIT (Wirtschaftsteil der Ausgabe 36/2014) die Lebenserwartung von weißen und von Afroamerikanern beleuchtet und dabei von „Neugebohrenen“ spricht. Wo, bitte, ist da gebohrt worden?