Wir Menschen haben ein großes Problem: Wir können zwar gut linear denken, aber nicht exponentiell. Das kann unangenehme Auswirkungen haben. Denn mit trickreichen Formulierungen kann man ganz leicht hinters Licht führen. Sicher haben Sie schon die Geschichte von dem Maharadscha und dem Weisen gehört. Die geht bekanntlich so: Der Weise hatte das Schachspiel erfunden. Und der Maharadscha wollte sich dafür bei ihm bedanken. Sissa ibn Dahir, so hieß der Weise, hatte einen scheinbar bescheidenen Wunsch. Er wolle sich mit Reis begnügen, sagte er, und bat darum, auf das erste Feld des Schachbretts ein Korn zu legen, auf das zweite Feld zwei Körner, auf das dritte Feld vier Körner, also immer jeweils die doppelte Menge – und so fort, und so fort. Ein, zwei, vier, acht, sechzehn Reiskörner: Das hört sich nach lächerlich wenig an. Aber nur, wenn man – wie von der Evolution geprägt – das Gesamtergebnis mit linearem Denken ermitteln will. Tatsächlich ergibt sich bei 64 Feldern, also 63 Verdoppelungen auf Grund des immensen exponentiellen Wachstums eine gigantische Menge: 18 Trillionen Reiskörner. Das entspricht 553 Milliarden Tonnen oder der indischen Reisproduktion von etwa 3600 Jahren. Das erklärt, warum so viele Menschen mit dem Zinseszins-Effekt nicht klar kommen. Warum wir 9 hoch 5 für wenig halten, das Ergebnis von 59.094 hingegen als beachtlich betrachten. Und weshalb wir uns so sehr täuschen lassen, wenn uns die Zahlen 2 hoch 8 und 8 hoch 2 vorgesetzt werden. Das Bauchgefühl sagt, 8 hoch 2 sei viel, 2 hoch 8 aber wenig. Das Gegenteil ist richtig! 8 hoch 2 ergibt nur 64, 2 hoch 8 hingegen 256. Wer uns täuschen will, muss also nicht einmal lügen. Er muss die Zahlen nur trickreich in Worte kleiden.