2006, kurz vor der Fußball-WM, kam in Deutschland der neue Begriff auf: public viewing. Womit das gemeinschaftliche Starren auf eine Großleinwand umschrieben werden sollte. Seither streiten sich Sprach-Puristen mit jenen, denen ein eher lockerer Umgang mit der Sprache zueigen ist. Die Sprach-Puristen sagen: public viewing stehe im amerikanischen Englisch für „Aufbahrung“ oder „öffentliche Leichenschau“. Und das sei ja mit dem neuen Denglisch-Begriff wohl nicht gemeint. Was im Internet von einer gewissen Jenny so kommentiert wurde: „Ich kann nicht für die anderen englisch sprechenden Länder reden, aber in den USA wird public viewing tatsächlich meistens für Beerdigungen genutzt. Das erste Mal, als deutsche Freunde mir gesagt haben: ,Wir gehen heute Abend zum public viewing‘ habe ich spontan geantwortet: ,So schlimm ist Eure Mannschaft aber doch nicht!‘“ – Inzwischen hat diese Diskussion sogar ihren Niederschlag bei Wikipedia gefunden. Dort wird unter anderem auf den interessanten Umstand verwiesen, dass sich auch die Duden-Redaktion des Themas angenommen hat. Und, wie so oft, zu einer sybillinischen Lösung gekommen ist: Der Begriff fand nicht nur (2007) den Weg in das deutsche Wörterbuch. 2011 wurde sogar ein deutsches Synonym spendiert: Rudelgucken. Ist das nicht furchtbar? Dann doch lieber die öffentliche Leichenschau.