Den Spruch vom Pferd kennen wir alle. Er passt unter Freunden. Er passt am Stammtisch. Und er passt im Gerichtssaal. So wie beim Steuerhinterziehungs-Prozess gegen Uli Hoeneß.

Man erinnert sich: Der Bayern-Präsident verlor sich bei seinen Einlassungen zum Thema Geld und Steuern so sehr im Schwadronieren, dass seinem Verteidiger Hanns W. Feigen der Kragen platzte. Feigen raunzte seinen Mandanten an, der solle „doch nichts vom Pferd erzählen“.

Nun möchte man ja gern wissen, was Steuergeschichten mit Pferden zu tun haben. Die Antwort führt uns in die Antike. Denn der Spruch vom Pferd soll auf das Trojanische Pferd zurückgehen. Genauer: auf das Lügenmärchen, das damit verbunden war.

Wer die Sagen des klassischen Altertums liebt, erinnert sich. Im zehnten Jahr des Trojanischen Krieges bedienten sich die Griechen einer List. Wie man bei Homer und Vergil nachlesen kann, zimmerten sie ein Holzpferd, das sie der Göttin Athene mit der Bitte um sichere Rückkehr nach Griechenland weihten. Dann täuschten sie den Abzug ihrer Truppen vor. Vorher aber versteckten sich Elitekämpfer der Griechen im Bauch des hölzernen Pferdes. Die Trojaner fielen dann auf eine Geschichte herein, die ihnen der Grieche Sinon auftischte. Der erzählte den Trojanern in seiner Geschichte vom Pferd, dies sei ein Geschenk an die Göttin Athene. Deshalb sollten sie es keinesfalls zerstören, weil dies Unheil über sie bringe. Zögen sie das Pferd jedoch in die Stadt, so log Sinon, werde das die Trojaner schützen. Die Trojaner fielen auf den Trick herein. Nachts kletterten die Kämpfer aus dem Holzpferd, öffneten die Stadttore, das inzwischen zurückgekehrte griechische Heer drang in die Stadt ein und zerstörte Troja.

Und Hoeneß’ Einlassungen vor Gericht? Die waren eben so eine Geschichte vom Pferd – wie zumindest sein Anwalt meinte.