Es gibt zwei Themen, bei denen (fast) alle meinen, sie könnten mitreden. Das eine Thema heißt Fußball, das andere heißt Schreiben. Beim Fußball wissen wir: Jeder Stammtischler der Republik könnte dem Jogi Löw aus dem Stand erklären, wie man die Fußball-WM gewinnt. Glauben die Herren am Stammtisch zumindest. Dumm nur: Es stimmt nicht! Und beim Schreiben ist es genau so. Jeder, der mal einen Schulaufsatz abgesondert und die Urlaubsgrüße auf der Postkarte an Tante Erna verfasst hat, hält sich für einen genialen Autor. Nur: Auch das ist falsch. Ordentlich schreiben können nur wenige. Und richtig gute Texter sucht man mit der Lupe. Dabei wäre es so einfach, zur Edelfeder zu reifen. Man müsste sich nur an den genialen Schöpfer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn halten, an Mark Twain. Von dem stammt die Erkenntnis: „Schreiben ist leicht – man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Doch genau das ist das Problem. Nicht nur, dass die meisten Hobby-Texter am Weglassen scheitern. Sie blähen ihre Sprach-Werke auch noch auf bis zur Unverdaulichkeit. Auf diesen Umstand hat ebenso profund wie amüsant das Autoren-Duo Alexander Hoffmann und Wulf-Hinnerk Vauk in der Buch-Neuerscheinung „Kekse für Putins Hund“ (Shaker Media Verlag) hingewiesen. Textprobe: „Wie in der Politik gibt es in der Wirtschaft einen Hang zur Prunk- und Blähsprache. Was nicht aufgeblasen daherkommt, ist offenbar nichts wert. Und so wird aus dem früheren ,Team‘ in der Firma ein ,Kompetenzteam‘ – besser wird die Gruppe dadurch nicht. … Noch ein Beispiel gefällig? Gerne: ,Unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen in einer sich kontinuierlich verändernden und wechselnden Parametern ausgesetzten Welt sehen wir einen Handlungsbedarf zur Implementierung einer ganzheitlich integrierten, synergetischen Komplettlösung als priorisiert gegeben an.‘ Ein prächtiger Satz, doch man könnte einfach auch sagen: ,Wir müssen etwas ändern.‘“ Vauk und Hoffmann sprechen mir aus dem Herzen.