Mit „Unter aller Sau“ beschreiben wir nicht das Chaos in einem Kinderzimmer. Wir sind vielmehr mitten in ein Thema gesprungen, das von Sprachexperten unter dem Stichwort „Umdeutungen“ diskutiert wird. Worum es dabei geht? Ganz einfach. Von Umdeutungen reden wir, wenn einem bekannten Wort eine weitere Bedeutung übergestülpt wird. Im Duden-Newsletter gab es dazu unlängst eine Reihe schöner Beispiele.

Zum Beispiel die Wendung, irgend ein Sachverhalt sei „unter aller Kanone“. Hier haben wir es beim Wort Kanone mit einer solchen Umdeutung zu tun. Kanone ist, wie Sie sicher wissen, ein Fremdwort, das sich vom italienischen cannone ableitet. Und dies wiederum geht auf das lateinische Wort canna (gleich Rohr) zurück. Kanone wird allerdings nur scherzhaft verwendet, denn eigentlich – so der Duden-Newsletter – sei das lateinische Wort canon gemeint. Und dies bedeutet so viel wie Regel oder Richtschnur. Womit sub omni canone, also „unter aller Kanone“ schlicht „unter jeder Richtschnur“ bedeutet.

Und wie war das nochmal mit der Sau? Hier geht es in Wirklichkeit nicht um eine Wutz, sondern um eine Ableitung vom jiddischen „seo“ – und das steht einfach für „Maßstab“.