Um keine Ratlosigkeit zu erzeugen gleich eine erste Aufklärung: MP steht für Ministerpräsident, RücklVO für Rücklagenverordnung, LadschlG für Ladenschlussgesetz und MBliV für Ministerialblatt der inneren Verwaltung.

Nun mögen ja Abkürzungen durchaus sinnvoll sein – vor allem dann, wenn man ohne sie ständig mit sperrigen Begriffen bombardiert werden würde. Wer beim Militär war, kann deshalb mit 08/15 genau so gut umgehen wie mit den Abkürzungen ZbV (zur besonderen Verwendung), vs-nfd (Verschluss-Sache, nur für den Dienstgebrauch), UvD (Unteroffizier vom Dienst), ZDv (zentrale Dienstvorschrift) und StUffz (Stabsunteroffizier).

Deshalb wissen Buchhalter und Steuergehilfen auch, dass REWE kein Lebensmittelmarkt ist, sondern das Rechnungswesen. Und dass die klassische Lohnsteuerkarte durch ELStAM ersetzt wurde, was für Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale steht. Ornithologen schließlich sind gerührt, weil die Elster nicht nur ein interessanter Vogel ist, sondern weil sich dahinter auch die elektronische Steuererklärung verbirgt.

Beim Kürzel AfA wird es schon schwieriger. Betriebswirtschaftler erkennen gleich, dass es sich hier wohl um die Absetzung für Abnutzung handelt (vulgo: Abschreibung).
Dumm nur, dass es mit Afa so einfach nicht ist. Die drei Buchstaben können auch für die Agentur für Arbeitsvermittlung AG stehen. Oder aber, was den linken Genossen in den Ortsvereinen Freude bereitet, für die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD.

Selbst damit ist die Bedeutung nicht ausgereizt. Denn in Frage kommen auch die Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempädagogik und die evangelische Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen.

Genau genommen begleitet uns die Abkürzeritis durchs ganze Leben. Wurden Kinder früher in die Krippe, den Hort oder den Kindergarten gebracht, verbringen sie heute einige Zeit ihres Lebens in der Kita. Ein fürchterliches Wort! Ein Wort, das in seiner ganzen Hässlichkeit nicht einmal vom widerlichen Azubi übertroffen wird – den wir uns ja nur antun, weil die Bezeichnung Lehrling angeblich niemandem mehr zuzumuten sei.

Was eigentlich ein Schwachsinn ist. Denn der Vorstandsvorsitzende würde sich ja auch nicht zum VorstVors verstümmeln lassen.

Egal wie: Die meisten Azubis nutzen mit größter Selbstverständlichkeit solche Wortbruchstücke wie etwa braduhl (Brauchst Du Hilfe?), cus (see you soon oder einfach „Bis bald!“), dam (Denk an mich) oder einfach ads (Ach du Scheiße!). Und wenn die SMS-verliebte Generation die Karriereleiter erklommen haben wird, heißt der Oberhäuptling vielleicht wirklich ganz schmucklos VorstVors. Da wünsche ich heute schon viel Spaß.

Pardon, das Kürzel 08/15 habe ich noch nicht erklärt. Es bedeutet so viel wie „Nichts Besonderes“, „Alles nur Durchschnitt“ oder schlicht „Standard“. Woher das Kürzel kommt? Es gibt mehrere Erklärungen. Die wahrscheinlich zutreffende lautet: Im Ersten Weltkrieg gab es das Maschinengewehr MG 08/15 – das erste einheitliche, also zu einem Standard gewordene, MG im Deutschen Reich. Was den Schriftsteller Hans Hellmut Kirst auf die Idee zu seiner Romantrilogie „08/15“ brachte – einem der ersten großen Beststeller im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre.

Herzlichst
Ihr Klaus Kresse