In dem Beitrag lässt die FAZ den Sprachwissenschaftler Günther Zimmermann zu Wort kommen, der nüchtern bilanziert: „Textverständlichkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“. Womit Zimmermann mit Sicherheit die fehlende Textverständlichkeit gemeint hat – wie mehrere Beispiele aus der Welt der Versicherungen belegen.

Dieser Satz etwa, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „Unter Schadenrückstellung i.S. dieser Stellungnahme zur Rechnungslegung werden Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle gemäß § 341g HGB verstanden. Sie stellen aus Versicherungsverträgen resultierende ungewisse Verbindlichkeiten i.S.v. § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB dar und erfassen Verpflichtungen des Versicherungsunternehmens gegenüber Versicherungsnehmern bzw. geschädigten Dritten aus bis zum Ende des Geschäftsjahres eingetretenen, aber noch nicht abschließend regulierten Versicherungsfällen.“

Ein verquaster Text. Aber nur einer aus einem Wust ähnlicher Beispiele, etwa aus Allgemeinen Versicherungsbedingungen, Info-Briefen oder Produkt-Informationsblättern. Zimmermann gegenüber der FAZ: „91 Prozent der Teilnehmer verstanden in einem Test einzelne Sätze gar nicht. Für die fünf am schlechtesten formulierten Sätze benötigten die meist hochgebildeten Versuchspersonen bis zu eine halbe Stunde.“

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und den soeben zitierten Satz in den BlaBlaMeter (www.blablameter.de) eingeben. Der BlaBlaMeter, so heißt es erklärend auf der Website, „entlarvt schonungslos, wie viel heiße Luft sich in Texte eingeschlichen hat. Oder, etwas derber formuliert: Wie viel Bullshit in einem Text steckt.“

Unser Paradesatz mit seinen 529 Zeichen und 62 Wörtern ist randvoll damit. Weshalb er den deprimierenden Bullshit-Index 0,8 bekommt. Erläuterung: „Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind – beim Eindruck schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.“

Deutlich besser, aber keineswegs gut macht es das Universitätsklinikum Aachen, das seinen Patienten im „Entgeltkatalog“ die Fallpauschalen erläutert. Eine Passage von 224 Wörtern wird mit dem Bullshit-Index 0,46 bewertet, was der BlaBlaMeter so kommentiert: „Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft … Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).“ Richtig: leider!

In seiner Rede „Grüne Inhalte gegen Merkels Heuchelei“ kommt der Grünen-Politiker Jürgen Trittin in einer Passage mit 301 Wörtern immerhin auf den Bullshit-Index 0,34 („Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft.“).

In einer ganz anderen Liga spielt Kanzlerin Angela Merkel. Für den Kurz-Beitrag „Freiheit“ auf ihrer Website www.angela-merkel.de (118 Wörter) bekommt sie eine Super-Note: den Bullshit-Index 0,06 („Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ,Bullshit‘-Deutsch.“)

Also, geht doch. Das einzig Dumme dabei: Einen verständlichen Text zu schreiben, macht viel mehr Arbeit als – na ja – als Bullshit abzusondern.

Herzlichst
Ihr Klaus Kresse