Schauen wir uns das an einem Beispiel an. Selbst jene, die im Deutschunterricht nicht aufgepasst haben, erinnern sich schwach daran, dass die indirekte Rede den Konjunktiv verlangt. Aber welchen Konjunktiv? Die Variante I oder die Variante II? Muss es also heißen: Paul sagte, er habe viel gearbeitet? Oder wäre korrekt: Paul sagte, er hätte viel gearbeitet?

Um Sie gleich richtig zu verwirren: Beide Varianten können richtig sein. Aber ob sie richtig sind, hängt vom Sinn des Satzes ab. Zumindest von dem Sinn, den Sie dem Satz mitgeben wollen.

Paul sagt, er habe viel gearbeitet – das ist der Konjunktiv I, also der Konjunktiv der indirekten Rede. Mit ihm umgehen Sie einfach das Original-Zitat. Paul sagte: „Ich habe viel gearbeitet“ – so könnte der Satz ja auch lauten.

Aber wie ist das mit „Paul sagte, er hätte viel gearbeitet“? Hier wird der Konjunktiv II, der so genannte Irrealis verwendet. Der ist immer dann angebracht, wenn Unwahrscheinlichkeit oder gar Unmöglichkeit ins Spiel kommt.
Wieder ein Beispiel: „Paul hätte viel gearbeitet, wenn man ihm die Gelegenheit dazu gegeben hätte.“ Heißt im Klartext: Paul hat nicht gearbeitet – denn die Gelegenheit dazu fehlte.

In besonderen Fällen kann der Konjunktiv II auch in der indirekten Rede gewählt werden. Zum Beispiel dann, wenn der Erzählende Zweifel am zitierten Text hat. „Paul sagte, er hätte viel gearbeitet“ bedeutet dann also: Gesagt hat es der Paul schon, aber ich habe große Zweifel daran, dass es auch stimmt. Ich glaube ihm also nicht, dass er – wie er es behauptet – gearbeitet hat.

Und wie ist das mit der „würde“-Konstruktion? Also etwa mit dem Satz: „Paul sagt, er würde arbeiten.“ Das wäre dann die umgangssprachliche Variante von Konjunktiv II. Denn der Satz ließe sich ja auch so verlängern: „Paul sagt, er würde arbeiten, wenn er denn könnte.“

Wenn Sie so wollen, ist die Variante mit „würde“ also eine Art Konjunktiv II für Arme. Wer sich sprachlich schmücken will, wählt deshalb das elegantere Original.

Herzlichst
Ihr Klaus Kresse