Was, bitte, hat uns der CEO gesagt?

Nichts. Schlicht und einfach nichts. Aber eines muss man ihm zugestehen: Seine Einlassung klingt wichtig. Fast wie Worte, die man in Marmor meißeln müsste.
Ich weiß, jetzt drängt sich bei Ihnen die Frage in den Vordergrund: Wie kann ich das auch schaffen? Wie gelingt es mir, so göttlich zu formulieren?
Nun, das gäbe es zwei Wege.

Den einen hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ unter der Zeile „Akademischen Smalltalk kann man lernen“ ausführlich beschrieben. Das Dumme dabei: Dieser Weg ist steinig, denn er führt über ein Seminar an der Freien Universität Berlin. Dort wird zum Beispiel dieses Geheimnis verraten: Konfrontiert man Sie beim Stehempfang mit der Frage „Und woran forschen Sie gerade?“, dann sollten Sie selbst dann souverän antworten können, wenn Sie noch nie geforscht haben und auch nie forschen werden. Wie das geht? Sie stellen irgendeine entwaffnende Gegenfrage – und die Klippe ist umschifft. Ach so, dass ich es nicht vergesse: Das Seminar trägt den Arbeitstitel „Academic Smalltalk and Networking“.

Das, wie gesagt, ist der steinige Weg zum überlegenen Auftritt bei Meetings oder zwischen Bussi-Bussi und Finger Food.

Aber es gibt Alternativen. Die postkartengroße „Phrasen-Dreschmaschine für Macher“ von Klaus Birkenhauer zum Beispiel. Das hilfreiche Werkzeug kann beim Straelener Manuskripte Verlag erstanden werden und eröffnet mit drei Papp-Drehscheiben die Welt des souveränen Business-Sprechs. Durch das Drehen der Scheiben und das Wenden der Phrasen-Dreschmaschine lassen sich aus dem Stand 32 768 eindrucksvolle Phrasen zaubern. Und prompt stehen Ihnen geniale Wendungen zur Verfügung wie „intellektuelle Fortschritts-Ausarbeitung“, „individualistische Erinnerungs-Ziele“ oder „umweltbewusste Marktwirtschafts-Durchdringung“.

Im selben Verlag ist für eine eher konservative Zielgruppe eine weitere Phrasen-Dreschmaschine erschienen, die „aus der Wortspielhölle des Übersetzungs-Kollegiums Straelen“ kommt. Ob man dieses Kollegium kennen muss, weiß ich nicht. Doch der Besitz dieser zweiten Phrasen-Maschine schmückt ungemein. Bereichert sie Ihren aktiven Wortschatz doch um so bemerkenswerte Termini wie die „unerschütterliche Geistes-Verpflichtung“, die „erhabene Seins-Bewahrung“ oder die „permanente Kommunikations-Akzeleration“. Wer, bitte, werden Ihre Zuhörer raunen, ist doch gleich dieser Herr Sloterdijk?

Lassen Sie solche Wortungetüme in Ihren Party-Sprech einfließen, werden Sie auch schnell das Geheimnis des Stehempfang-Smalltalks entdecken: Da sich alle Gäste ungeheuer intellektuell wähnen, wird sich niemand die Blöße geben und fragen, was Sie eigentlich gemeint haben. Man wird entweder verständnisvoll nicken oder aber das Wort mit einem beipflichtenden „Sie wissen ja gar nicht, wie recht Sie haben“ an sich reißen. Und schon sind Sie der Star der Runde.

Eins noch: Wenn es knapp sein soll, holen Sie sich Ideen aus der Slogan-Maschine im Internet (www.sloganizer.de). Dort geben Sie ein Verb, ein Adjektiv und den Namen einer Person, eines Produkts oder einer Firma ein. Dann, auf Klick, schenkt man Ihnen geniale Formulierungen wie „Meier-Milch – Erscheinung des Kaufrauschs“. Oder „Kai’s Bistro – trinken fürs Leben“. Prost!

Herzlichst

Ihr Klaus Kresse