Um Ihnen ein Vorstellung davon zu geben, welches Fass wir damit aufmachen, werfen wir einen Blick auf die österreichische Website www.gender.schule.at. Hinter der steht eine Online-Redaktion, die in Wien beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (Kürzel bm:uk) angesiedelt ist, und zwar in der Abteilung „Gender und Schule/Gender Mainstreaming.

Auf dieser Website erfahren wir, dass es nicht nur Gender Sensitivity gibt, sondern auch ein Gender Gap. Und wir lernen, um was es bei Gender Mainstreaming (GM) eigentlich geht. O-Ton: „GM bedeutet, die geschlechtsspezifischen Realitäten in allen Tätigkeiten und Vorhaben von vornherein zu beachten, damit die Bedürfnisse beider Geschlechter gleichermaßen zum Zug kommen.“

Ein hehres Ansinnen.

Das natürlich nach einer eigenen Sprache schreit. Nach der geschlechtergerechten Sprache. Im bm:uk-Deutsch liest sich das so: „Sprache strukturiert unser Denken. Nicht mitgesagt bedeutet oft auch nicht mitgemeint.“

Wirklich?

Käme tatsächlich jemand ernsthaft auf die – mit Verlaub – schwachsinnige Idee, nur an Männer zu denken, wenn von Menschen die Rede ist? Müssen wir die Sprache tatsächlich zu „Menschen und Menschinnen“ verbiegen?

Ganz ohne Frage hat es auch wenig mit Sprach-Gerechtigkeit zu tun, wenn die schöne Sonne weiblich, der eher trübe Mond dagegen männlich ist. Oder wäre es im Sinne von GM politisch korrekt, von den „MondInnen“ des Jupiter zu sprechen (wobei wir das I natürlich groß schreiben). Und müsste es nicht „die Sonnen …“. Halt! Hier gibt es gar keinen auch noch so verquasten sprachlichen Trick, um per Schreibweise unserer schönen Sonne auch das männliche Geschlecht anzudichten. Männer müssen desillusioniert zur Kenntnis nehmen, dass all die Abermilliarden Sonnen im Universum qua Definition weiblich sind.

Ich kann mich nicht erinnern, deshalb je von Klagen aus der Männerwelt gehört zu haben.

Anders bei (manchen) Frauen. Weshalb es inzwischen sogar eine „Feministische Sprach- und Übersetzungswissenschaft“ gibt. Mit mächtigen Stoffsammlungen zur „feministischen Linguistik“ – einem Forschungsgebiet, in dem (so die Formulierung in einem wissenschaftlichen Text) „feministisch motiviert der Zusammenhang zwischen Sprache und Geschlecht neu erarbeitet wird“. Toll! Wir sind beeindruckt.

Und noch stärker fasziniert uns der Cartoon auf der Titelseite des akademischen Werkes: Da wird ein Kindertheater gezeigt – und das Kasperle, wie könnte es anders sein, ruft „Hallo, liebe Kinderinnen und Kinder!“.

Egal, ob man das nun mag oder nicht: Diese Verdoppelungen bringen keinen Erkenntnisgewinn, sie machen Texte nur sperriger und kosten die Leser oder Hörer bloß unnötig Zeit. Nach Wahlen können wir dies immer wieder erleben, wenn die Partei-Vertreter ihren „Wählerinnen und Wählern“ danken. Diese Doppelungen sind schon zum Ritual erstarrt, so dass uns selbst ein „Liebe Bewohnerinnen und Bewohner“ nicht mehr schocken könnte.

Ganz zu schweigen von solch begnadeten Wortschöpfungen wie „Gästin“, „jedefrau sagt“ (statt jedermann …), „Göttin sei Dank!“, „Frauschaft“ (statt Mannschaft), „wir werden uns vertöchtern“ (statt versöhnen), „Ich habe einen Bärinnenhunger!“ und „Mitgliederin“ – obgleich „Mitglied“ eindeutig geschlechtsneutral ist.

Da hilft wohl auch der Hinweis nicht, dass jedes im Wörterbuch verzeichnete Geschlecht nur das grammatikalische, nicht aber das biologische ist. Weshalb die Klage über „nicht genannt“ ins sprachhistorische Gruselkabinett gehört.

Ganz abgesehen davon, gilt im Hinblick auf die Verständlichkeit, dass es falsch wäre, etwas so zu schreiben, wie es sich gesprochen nicht zitieren ließe. Deshalb fallen Lösungen wie „StudentIn“, „Student(in) oder „Student/innen“ gleich unter den Tisch, denn weder das große I noch die Klammern oder der Schrägstrich lassen sich sprechen.

Wen das wohl zutiefst betrübt? Sicher all die vielen FrauInnen. Aber daran kann ich nichts ändern. Und, um ehrlich zu sein, ich will es auch nicht.

Herzlichst
Ihr Klaus Kresse