Bleibt denn gar nichts mehr, wie es scheinbar immer schon war? Klare Antwort: Jain! Die Sprache ändert sich ständig. Und damit auch die Begrüßungen und Anreden. Aber vor allem in der Business-Welt tut man gut daran, nicht auf jeder Modewelle zu surfen.

Bestes Beispiel (ich habe in dieser Kolumne schon einmal darüber gesprochen): die Anrede „Hallo“. Die mag unter Freunden die richtige Form sein. Und auf Facebook, wo sich ohnehin nur vermeintliche Freunde tummeln, ist das „Hallo“ zum Standard avanciert. Doch in seriöser Geschäftspost (egal, ob auf Papier oder als E-Mail) hat diese Vokabel nichts verloren, da sie mehrheitlich als zu flapsig angesehen wird. Sie wollen sich auch nicht gleich von jedem einen Klatsch auf die Schulter geben lassen.

Besonders im Kontakt mit Kunden sind weiterhin das klassische „Sehr geehrter Herr … “ oder das eher vertrauliche „Liebe Frau …“ angesagt. Einen Kunden mit „Hallo“ zu begrüßen, ist tabu – es sei denn, er wünscht ausdrücklich diese Form und beginnt selbst damit.

Wem das „Sehr geehrter …“ zu förmlich und das „Lieber …“ zu privat anmuten, findet mit „Guten Tag, Herr …“ und „Guten Abend, Frau …“ einen durchweg akzeptierten Kompromiss.
Nun ist dank regionaler Besonderheiten die Bandbreite der Begrüßungen sehr groß. Während im Norden das saloppe „moin, moin“ gang und gäbe ist, bedient sich der vorwiegend katholische Süden des sehr bodenständig wirkenden „Grüß Gott!“. Auch hier wieder: Wie Sie es in der Privatsphäre halten, ist Ihr Ding. Im Geschäftsleben gelten andere Gesetze. Hier sind solche landsmannschaftlichen Varianten eigentlich so tabu wie das „Hallo“. Es sei denn …

… ja, es sei denn, auch Ihre Kunden bedienen sich dieser Mundart-Varianten. Oder aber Sie sind in einem Geschäftszweig tätig, in dem das Bodenständige zum Markenkern gehört.
Natürlich können Sie als Hamburger Heringsverkäufer Ihre Kunden auch schriftlich mit „moin, moin“ begrüßen. Und wenn Sie im Voralpenland ein Trachten-Fachgeschäft betreiben, passt das „Grüß Gott“ so gut wie ein Dirndl oder ein Lodenjanker mit Hirschhorn-Knöpfen.

Und wie ist das mit dem Abschied?

Da gelten ähnliche Regeln. Weshalb jetzt eine Passauer Schulrektorin, um ihre Schülern aufs richtige Leben vorzubereiten, ihre Lehranstalt zur „Tschüs- und Hallo-freien Zone“ erklärt hat.
Woraus wir ersehen, dass auch dem „Tschüs“ der Makel „nicht geschäftsfähig“ anhaftet. Weshalb diese Vokabel in geschäftlichen Schreiben auch unpassend wäre.

Und dies, obgleich sich laut einer Allensbach-Studie inzwischen mehr als 50 von 100 Deutschen von ihren Freunden und Bekannten mit „Tschüs“ oder „Ciao“ verabschieden.
Woher das „Tschüs“ eigentlich kommt? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Die Sprachwissenschaftler haben mehrere Quellen geortet. Eine davon: das Spanische und das Portugiesische. Zur Hansezeit hatten Händler und Seeleute intensiven Kontakten mit den Niederlanden. Dort hatten sich das spanische „adios“ und das portugiesische „adeus“ zum neuen „atjüs“ verformt, woraus dann unser „Tschüs“ entstanden sein soll. Die zweite Quelle ist das Französische: Die Vokabel „adieu“ (im Sinne von „gehe mit Gott“) hatte unter den Wallonen zum „adjuus“ (wird „adjüüs“ ausgesprochen) mutiert – was auch schon stark nach „Tschüs“ klingt.

Wie privatim das „Tschüs“ ist, lassen die Deutschschweizer erkennen. Sie verabschieden sich damit nur von jemandem, mit dem sie per Du sind.

Doch selbst das lockere „Tschüs“ ist manchem noch zu sperrig, weshalb sich quer durch Deutschland zahlreiche Sonderformen gebildet haben. Dazu gehören das rheinische „tschö“ ebenso wie die etwas affektiv wirkenden Verbiegungen „tschökes“, „tschüssikowski“ und „tschüsskes“.

Dagegen klingt es doch richtig sympathisch, wenn die Schwaben aus der norddeutschen Wortschöpfung ein niedliches „tschüsle“ machen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Kresse